Der Bandscheibenvorfall (Intervertebral Disc Disease IVDD) und die Chondrodystrophie (CDDY) beim Dackel

Etwa jeder vierte bis fünfte Dackel erfährt einen Bandscheibenvorfall in seinem Leben. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen wie zum Beispiel

·      Altersbedingte Veränderungen der Bandscheibe

·      Traumatisch Ursachen

·      Genmutationen, die zu Veränderungen der Bandscheiben führen

Eine dieser Genmutation nennt sich die Chondrodystrophie (CDDY) und ist recht gut erforscht, sodass diese mit moderner, seriöser Zucht aus den Dackeln herausgezüchtet werden könnte. Um dies genauer zu erklären, habe ich hier die wichtigsten Informationen zu der Thematik zusammengefasst:

Anatomie der Bandscheibe und deren Degeneration

Beginnen wir mit dem Aufbau der Bandscheiben. Diese bilden eine elastische Verbindung zwischen den Wirbelknochen der Wirbelsäule. Durch ihren einzigartigen Aufbau bilden sie ein Gelenk, das man in jede Richtung bewegen kann und zusätzlich Erschütterungen abdämpft. Eine Bandscheibe ist rund bis bohnenförmig und besteht aus mehreren Schichten. In der oberen Mitte findet man die innerste Schicht: den Nucleus pulposus (1, siehe Bild) also den Bandscheibenkern. Dieser besteht zu 88% aus Wasser (bei Jungtieren) und hat damit eine gelatinöse Konsistenz. Darum herum befindet sich eine Übergangszone, die Transitionale Zone (2), die den Kern zur äußeren Schicht, dem Anulus fibrosus (3) einer Art Bandscheibenring, abgrenzt. Dieser besteht aus zwei Schichten und etwa zu 60% aus Wasser. Die Verbindung der Bandscheibe zum Wirbelknochen (5) stellt die knorpelige Endplatte (4) dar.

Die Degeneration der Bandscheibe ist in der Regel ein Alterungsprozess, der durch die Genetik, biochemische Belastung und Traumata beeinflusst wird. Hauptsächlich werden notochondrale Zellen im Nucleus pulposus durch knorpelbildende Zellen und in der Folge Knorpelgewebe ersetzt. Diesen Prozess nennt man auch knorpelige Metaplasie. Das heißt, dass der gelatinöse Bandscheibenkern sich in wenig verformbaren Knorpel umwandelt. Dabei verringert sich der Wasseranteil der Bandscheibe und damit auch ihre Elastizität. Die Bandscheibe wird quasi porös und somit können sich haarfeine Risse im Bandscheibenring bilden. In der knorpeligen Endplatte kommt es zum Untergang des Knorpelgewebes und dieses wird durch Bindegewebe ersetzt. Bindegewebe ist deutlich schwächer als Knorpelgewebe. Diese Veränderungen können zum Bandscheibenvorfall führen.

Quellen:

Fenn, J., Olby, N. J., & Canine Spinal Cord Injury Consortium (CANSORT-SCI). (2020). Classification of intervertebral disc disease. Frontiers in veterinary science, 7, 579025.

 

Einordnung von Bandscheibenvorfällen

Beginnen wir mit dem relevantesten Typ für das Thema dieses Dokumentes: der Bandscheibenvorfall mit austretenden Bandscheibenmaterial (akut/ Hansentyp I). Dieser Typ des Bandscheibenvorfalles wird klassischerweise mit sogenannten chondrodystrophen Rassen (siehe Tabelle unter „Chondrodystrophie und was das jetzt eigentlich ist“) assoziiert. Somit stellt die Chondrodystrophie eine Genmutation dar, die in einigen Hunderassen zu finden ist und zu einer frühzeitig einsetzenden Degeneration der Bandscheiben führen kann. Wie oben beschrieben, geht es um eine zunehmende Dehydratation und Gewebeveränderung in der Bandscheibe. Bei CDDY kommt es zusätzlich zur Verkalkung des Bandscheibenkerns. Dieser Prozess kann bereits im ersten Lebensjahr beginnen und kann auf Röntgenbildern, in CT- und MRT-Aufnahmen dargestellt werden. Dadurch tritt dieser Typ des Bandscheibenvorfalles klassischerweise bei jungen bis mittelalten chondrodystrophen Rassen auf, ist aber vereinzelt auch bei nicht-chondrodystrophen Rassen möglich. Nun kann bei einer starken Belastung einer betroffenen Bandscheibe Material des Bandscheibenkerns durch einen Riss im Bandscheibenring in den Wirbelkanal austreten und zur Schädigung des Rückenmarks führen. Oft sind die Bandscheiben um den Übergang von der Brustwirbelsäule zur Lendenwirbelsäule betroffen. Die klinischen Symptome sind abhängig von der Lokalisation und Schwere des Bandscheibenvorfalles. Sie können von leichtem Unbehagen bis hin zur Querschnittslähmung reichen. Eine mögliche Heilung ist ebenfalls abhängig von der Lokalisation und Schwere des Bandscheibenvorfalles.

Weitere Formen des Bandscheibenvorfalls aus Fenn et al. (2020):

Quellen:

Fenn, J., Olby, N. J., & Canine Spinal Cord Injury Consortium (CANSORT-SCI). (2020). Classification of intervertebral disc disease. Frontiers in veterinary science, 7, 579025.

 

Chondrodystrophie und was das jetzt eigentlich ist

Beginnen wir mit der Namensherleitung:

·      „Chondro-“ ist eine Vorsilbe und bedeutend Knorpel.

·      „Dystrophie“ beschreibt eine fortschreitende Veränderung von Zellen, Geweben und Organen mit unterschiedlichen Ursachen, z.B. Genmutationen, und geht meist mit schweren Funktionsstörungen einher.

2017 haben Brown et al. veröffentlicht, dass sie eine genetische Ursache für diese Erkrankung identifizieren konnten. Dabei handelt es sich um die Insertion des FGF4 Retrogens auf Chromosom 12 bei Hunden. Wie bitte was? Nehmen wir diesen hochtrabenden Satz mal auseinander:

·      Insertion = Einfügen eines DNS-Abschnittes

·      FGF4 = Fibroblasten Wachstumsfaktor 4

·      Retrogen = ein Stück DNS, das aus Versehen an einer weiteren als der ursprünglichen Stelle eingefügt wurde

Es handelt sich also um eine Mutation, bei der ein funktioneller Genabschnitt an einer anderen Stelle zusätzlich eingefügt wurde. Solche Mutationen mit anderen Fibroblasten Wachstumsfaktoren (FGF) können auch beim Menschen beobachtet werden, wie zum Beispiel die Achondroplasie. Hierbei kommt es zu verkürzten Gliedmaßen und Bandscheibenveränderungen beim Menschen. Dies klingt sehr ähnlich zu den Veränderungen, die der Chondrodystrophie bei Hunden aktuell zugesagt werden. Neben der verursachten Bandscheibendegenration, die zum Bandscheibenvorfall nach Hansen Typ I, wie oben beschrieben, führen kann, wird dieser Genmutation ebenso eine Form der Kurzbeinigkeit zugeschrieben. Diese entsteht, einfach gesagt, durch gestörtes Wachstum an den Enden der langen Röhrenknochen, wie z.B. Oberarmknochen, Elle und Speiche. Dabei handelt es sich um einen sogenannten disproportionierten Zwergwuchs, da nur die Gliedmaßen, also die Beine beim Hund, verkürzt sind, der restliche Körper aber eine normale Größe aufweist. Der Dackel hat also keinen langen Rücken, sondern kurze Beine, was auch viel offensichtlicher ist.

Bekannt ist daneben auch der Erbgang der Chondrodystrophie. Für die Bandscheibendegenration wird ein autosomal monogen dominanter Erbgang beobachtet. Das bedeutet, dass jeder reinerbige (homozygote, CDDY/CDDY) oder mischerbige (heterozygote, N/CDDY) Genträger, auch Bandscheibenveränderungen aufgrund dieses Gens ausprägen kann. Kürzlich haben drei Studien insgesamt vier Rassen (Nova Scotia Duck Tolling Retriver, Dackel, Coton de Tuléar, Französische Bulldogge) bzgl. des CDDY-Genotyps sowie der Anzahl veränderter Bandscheiben untersucht, sodass nun vermutet wird, dass N/CDDY Hunde etwa halb so wenig veränderte Bandscheiben aufzeigen als CDDY/CDDY Hunde. Da kann ich nur sagen, was für ein Glück wir doch haben! Mit solch einem einfachen Erbgang kann man die Chondrodystrophie langfristig aus betroffenen Rassen herauszüchten, die Anzahl betroffener Bandscheiben verringern und eine der Ursachen für Bandscheibenvorfälle ausradieren.

Wenn wir das alles wissen, warum ist das dann nicht schon längst geschehen? Der Grund ist die Sorge um die Erhaltung der Kurzbeinigkeit. Die Kurzbeinigkeit durch CDDY soll autosomal monogen semi-dominant vererbt werden, dabei entsteht eine gewisse Hierarchie bei der Ausprägung:

·      CDDY/CDDY = kürzeste Beine

·      N/CDDY = kurze Beine

·      N/N = normal lange Beine

Moment mal! Wenn wir diesen Gendefekt jetzt rauszüchten, hätten wir dann Dackel mit langen Beinen?! Das sind ja dann gar keine Dackel mehr! Diese Aussage hört man oft, wenn man an diesem Punkt der Aufklärung angekommen ist und wir können euch beruhigen, nein, die Dackel haben dann nicht alle lange Beine. Denn es ist noch eine weitere Genmutation bekannt, der bei Hunden zu disproportioniertem Zwergwuchs bzw. kurzen Beinen führt. Das ist die Chondrodysplasie (CDPA). Dieser Begriff klingt recht ähnlich zur Chondrodystrophie (CDDY), aber die Bedeutung ist etwas anders:

·      „Chondro-“ ist eine Vorsilbe und bedeutend Knorpel.

·      „Dysplasie“ ist eine vor oder nach der Geburt entwickelte Anomalie, die das Aussehen, die Funktionalität oder den Aufbau z.B. eines Organs verändert.

Bei der CDPA wird das Wachstum der langen Röhrenknochen verfrüht gestoppt. Dies geschieht durch einen ähnlichen genetischen Hintergrund wie bei der CDDY. CDPA wird durch die FGF4 Retrogen Insertion auf Chromosom 18 verursacht (na, die Bedeutung kennt ihr ja jetzt schon von oben). Um das nochmal kurz zu sortieren, schaut euch die folgende Abbildung mit dem Chromosomensatz des Hundes an:

Der Erbgang für CDPA ist zum Glück auch autosomal monogen dominant. Unsere bisherigen persönlichen Beobachtungen und in einem frisch veröffentlichter Fallbericht von Sullivan et al. (2025) zeigen, dass CDDY-heterozygote oder freie Dackel etwa 10% längeren Beine aufweisen als CDDY-homozygote Dackel. Diese Entwicklung würde sicherlich zum Tierwohl der Dackel beitragen, da mittlerweile leider viele Dackel viel zu kurze Beine haben, sodass die Brust etwa auf Höhe des Vorderfußwurzelgelenks aufhört. Bei übergewichtigen Exemplaren kann Bodenkontakt am Gesäuge oder dem Präputium entstehen. Das führt in der Folge zu Verletzungen an den genannten Hautanhängen. Bei N/CDDY oder für CDDY-freien Dackel endet die Brust damit theoretisch weiter oben, aber viel wichtiger für die Beinlänge ist der CDPA-Genotyp. Dieser scheint beim Dackel hauptsächlich die Beinlänge zu bestimmen, da bereits N/CDPA Hunde deutlich längere Beine aufweisen als CDPA/CDPA Hunde. Während CDPA-freie Dackel genauso lange Beine haben wie andere Hunderassen gleicher Gewichtsklasse. Das war jetzt kompliziert. Hier noch eine kleine Grafik als Vereinfachung:


 

Sicherlich steht hinter und neben diesen beiden Genmutationen für die Kurzbeinigkeit noch einiges mehr an äußeren Faktoren und Genetik, die für den jeweiligen Defekt die Beinlänge genauer bestimmt. Dies ist aber noch nicht erforscht.

Kleiner Einschub für die Jäger unter uns: In dem veröffentlichten Fallbericht wird geschlussfolgert, dass der Einsatz der Dackel in der Baujagd auch mit einem N/CDPA CDDY-freien Genotypen möglich ist. Es wird angenommen, dass man damit die maximale Schulterhöhe von 40cm für den Einsatz von Erdhunden wie z.B. Jagdterriern nicht überschreitet. Dies trifft nach aktuellem Wissen auf jeden Fall auf den CDPA/CDPA CDDY-freien Genotypen zu. Das Argument der Nicht-Nutzbarkeit in der Baujagd durch die Entfernung von CDDY ist damit obsolet.

In der folgenden Tabelle findet ihr einen kleinen Überblick über Rassen, in denen CDDY und CDPA nachgewiesen wurden. Die Frequenz der auftretenden Allele ist je nach Rasse unterschiedlich. Wichtig ist, dass bei den jeweiligen Rassen auf die Chondrodystrophie und die Anzahl der veränderten Bandscheiben in der Zucht und bei der Anschaffung eines Hundes geachtet wird.

Genauso wenig ist erforscht, welche weiteren Gene bei der Chondrodystrophie bestimmen, welche und wie viele Bandscheiben degenerieren und zu welchem Grad. Dieser Teil wird vermutlich polygenetisch vererbt, also von vielen Genen bestimmt, und auch von äußeren Faktoren, wie Ernährung oder Bewegung, beeinflusst, somit stellt der Bandscheibenvorfall schlussendlich ein multifaktorielles Geschehen dar. Ich vergleiche das gerne mit der Hüftgelenksdysplasie (HD). Auch hier wird ein polygenetischer Erbgang bzw. ein multifaktorielles Geschehen vermutet, sodass man das HD-Röntgen als Mittel der Wahl sieht, um festzustellen, wie schlimm die HD in den betroffenen Rassen ausfällt. Hunde, die in die Zucht gehen, dürfen nur einen HD-Grad A oder -B aufweisen. Blöderweise fallen trotzdem Welpen, die weitaus schlimmere Grade der HD ausprägen. So ähnlich scheint es auch bei der Chondrodystrophie und den beobachteten Bandscheibendegenrationen im Röntgen zu sein. In Dänemark und Schweden wird z.B. als Tool zur Reduktion des Bandscheibenvorfall-Risikos (IVDD-Risiko) die professionelle röntgenologische Beurteilung der Bandscheiben durchgeführt. Es dürfen nur Dackel mit weniger als 5 veränderten Bandscheiben in die Zucht gehen, trotzdem können Welpen fallen, die 5, mehr oder weniger Bandscheibenveränderungen aufweisen. Dies sind bisher nur Beobachtungen, die noch nicht wissenschaftlich verifiziert sind. So oder so, haben wir bei der Chondrodystrophie das Glück, im Gegensatz zur HD, dass wir einen ursächlichen Gendefekt haben, der quasi wie ein Einschalter auf die darauffolgenden Gene wirkt. Nehmen wir diesen Einschalter heraus, so können uns die anderen beeinflussenden Gene im Grunde egal sein. Viel interessanter wäre die Erforschung weiterer Ursachen für Bandscheibenvorfälle bei Dackeln, wenn das CDDY-Gen erstmal in einer ausreichend großen Population fehlt. Ihr seht also, das ist ein unheimlich spannendes Thema. Im nächsten Abschnitt müssen wir über die wohl am meisten missverstandenen Studie zu dem Thema sprechen.

Quellen:

Begriffserklärungen aus Psyrembel online am 22.11.2023

Brown, E. A., Dickinson, P. J., Mansour, T., Sturges, B. K., Aguilar, M., Young, A. E., ... & Bannasch, D. L. (2017). FGF4 retrogene on CFA12 is responsible for chondrodystrophy and intervertebral disc disease in dogs. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(43), 11476-11481.

Bannasch, D., Batcher, K., Leuthard, F., Bannasch, M., Hug, P., Marcellin-Little, D. J., ... & Leeb, T. (2022). The effects of FGF4 retrogenes on canine morphology. Genes, 13(2), 325.

Dickinson, P. J., & Bannasch, D. L. (2020). Current understanding of the genetics of intervertebral disc degeneration. Frontiers in veterinary science, 7, 431.

Weiss, V. E., Hoffmann, R., & Rothemund, I. (1967). Die Karyogramme der haussaugetiere. Reproduction in Domestic Animals, 2(4), 152-155.

Bianchi CA, Marcellin-Little DJ, Dickinson PJ, et al. FGF4L2 retrogene copy number is associated with intervertebral disc calcification and vertebral geometry in Nova Scotia duck tolling retrievers. Am J Vet

Res. 2023;84(3):1-10.

Sullivan, S., Redden, D., Hardeng, F., Sundqvist, M., & Kutzler, M. (2025). The relationship between radiographic disc calcification score and FGF4L2 genotype in dachshunds. Journal of Veterinary Internal Medicine, 39(1), e17281.

Sullivan, S., Szeremeta, K. J., & Kutzler, M. (2025). Case report: FGF4L1 retrogene insertion is lacking in the tall dachshund phenotype. Frontiers in Veterinary Science, 11, 1522745.

Reunanen, V. L., Jokinen, T. S., Lilja-Maula, L., Hytönen, M. K., & Lappalainen, A. K. (2025). Allelic frequency of 12-FGF4 RG and the association between the genotype with number of calcified intervertebral discs visible on radiographs in Coton de Tuléar and French Bulldog breeds. BMC Veterinary Research, 21(1), 140.

 

Wege weg von der Chondrodystrophie (CDDY)

Starten wir mit einer Studie aus Dänemark, die oft missverstanden wird:

Bruun, C. S., Bruun, C., Marx, T., Proschowsky, H. F., & Fredholm, M. (2020). Breeding schemes for intervertebral disc disease in dachshunds: Is disc calcification score preferable to genotyping of the FGF4 retrogene insertion on CFA12?. Canine Medicine and Genetics, 7(1), 1-7.

Es geht darum, welche Methode die beste für die Zucht ist, um einen Bandscheibenvorfall vorherzusagen. Kleiner Spoiler vorweg, keine der genannten Methode kann das voraussagen. In der Studie werden jedenfalls der Gentest und die professionelle röntgenologische Beurteilung der Bandscheiben in ihrer Vorhersagekraft bzgl. des Risikos eines auftretenden Bandscheibenvorfalles verglichen. Der Gentest wird dort als schlechter alleiniger Vorhersagefaktor angesehen. Zudem wäre ja die Konsequenz laut der Studie, dass zu viele Hunde aus der Zucht ausgeschlossen werden müssten, da bisher nur wenige CDDY heterozygote oder homozygot freie Hunde bekannt sind. Die alleinige professionelle röntgenologische Beurteilung der Bandscheiben wird für die Zucht angeraten, also die Zucht orientiert an dem K-Score. Der K-Score gibt die exakte Anzahl der degenerierten Bandscheiben an. Bei vier veränderten Bandscheiben wird der K-Score als K4 angegeben.

Daraus leiten nun viele ab, dass man sich den Gentest sparen kann oder dieser nicht verlässlich für den Dackel sei und man ähnlich wie in Dänemark und Schweden NUR nach der Anzahl veränderter Bandscheiben züchten sollte. Diese Annahme ist grundlegend falsch. Die Studie liegt an sich schon richtig mit ihren Schlussfolgerungen aufgrund der Daten, die sie erhoben haben, aber als Konsequenz für die Zucht sollte man sich das noch einmal genauer anschauen:

Punkt 1: Die untersuchte Population zur Frequenzbestimmung von CDDY heterozygoten und homozygot-freien Hunden ist wirklich gering. Dabei wurden bei den Rauhaardackeln nur 86 Individuen untersucht, während es bei Kurz- und Langhaardackeln sogar nur 32-36 waren. Das kann uns eine erste Idee geben, aber spiegelt sicherlich nicht die wahre Verteilung der Genotypen in der Dackelpopulation wider.

Punkt 2: In der Studie wird von einer sehr harschen Konsequenz beim Ergebnis des CDDY-Gentests ausgegangen, und zwar, dass alle CDDY/CDDY Hunde aus der Zucht ausgeschlossen werden. So schwarz-weiß sollte die Umsetzung nicht erfolgen. Das würde, wie auch in der Studie erwähnt, zu einem viel zu kleinen Genpool führen, den man aktuell schon bei vielen Rassen beobachten kann.

Punkt 3: Hier mal ganz nüchtern betrachtet, was der CDDY-Gentest und die röntgenologische Beurteilung wirklich vorhersagen können:

Anzuraten ist also die Kombination aus den beiden Methoden, um die Bandscheibenvorfälle, die auf das Konto der CDDY gehen, wirklich herauszüchten zu können. Dabei muss erstmal das Ziel sein, eine große CDDY-heterozygote Population, die möglichst genetisch divers aufgestellt ist, zu züchten, um dann das Ziel der CDDY-homozygoten Freiheit erreichen zu können. Und wie können wir das jetzt umsetzen?

Der erste Schritt ist aktuell und zukünftig für die in der Zucht befindlichen Dackel den CDDY-Genotypen und den K-Score zu bestimmen. Diese Daten müssen veröffentlicht werden.  Am besten wäre eine zentrale Sammlung und eine für jeden einsehbare Veröffentlichung. So können Züchter einfacher und seriöser auf CDDY-Heterozygotie züchten. Zurecht wird die Kritik verlautet, dass nur noch auf den CDDY-Genotypen in der Zucht geachtet werden würde. Somit müssen weitere Werkzeuge herangezogen werden, und zwar die professionelle Beurteilung der Anzahl der Bandscheibenverkalkungen, den K-Score, und die Bestimmung der genetischen Diversität, den Inzuchtkoeffizienten aufgrund von Genen und nicht von Ahnentafeln. Die genetische Diversität lässt sich ebenfalls über einen Gentest bestimmen. Dabei sollte man Tests verwenden, die über die aktuellen ISAG-DNS-Profile hinausgehen, weil dort zu wenig Gene beachtet werden. Es kann zwar ein Vaterschaftstest über die ISAG-DNS-Profile erfolgen, aber für weiter zurückliegende Verwandtschaftsverhältnisse, die auch eine Ahnentafel nicht mehr erfassen kann, oder auch genetische Häufigkeiten, die in bestimmten Linien auftreten können, können die ISAG-DNS-Profile keine aussagekräftige Beurteilung abgeben. Aufgrund des mittlerweile alarmierend engen Genpools in den meisten Hunderassen müssten parallel moderne Zuchtmethode zur Erweiterung des Genpools eingesetzt werden. Wer sich dafür interessiert, schaut gerne als Einstieg in das Thema im Anhang der Zuchtordnung des DFZH oder in dem Buch „Geschundene Gefährten“ von Herrn Professor Doktor Achim Gruber vorbei.

Quellen:

Bruun, C. S., Bruun, C., Marx, T., Proschowsky, H. F., & Fredholm, M. (2020). Breeding schemes for intervertebral disc disease in dachshunds: Is disc calcification score preferable to genotyping of the FGF4 retrogene insertion on CFA12?. Canine Medicine and Genetics, 7(1), 1-7.

Gruber, A. (2023). Geschundene Gefährten. Droemer Knaur

Autorin: TÄ Johanna Trapp

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